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VBW-Workshop „Luftschadstoffemissionen der Binnenschifffahrt“ am 30.06.2016 in Duisburg

Gute Nachrichten für die Anwohner von Wasserstraßen: Die von Binnenschiffen verursachten Immissionsbelastungen sind deutlich geringer als angenommen.

In der Gesamtbetrachtung der Emissionen sehen die Experten in der Binnenschifffahrt Verbesserungspotenzial. Lösungsansätze hierfür befinden sich aber noch in der Entwicklung.

Gute Nachrichten für die Anwohner von Binnenwasserstraßen und Betreiber von Hafen- und Umschlagsanlagen hatte Dr. Stephan Mai, von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), Koblenz im Gepäck. In einer Studie über die Luftschadstoffimmissionen der Binnenschifffahrt am Niederrhein, der höchst befahrenen Wasserstraße in Deutschland, hatte die BfG festgestellt, dass nahezu alle relevanten Schadstoffgruppen keinen signifikanten Effekt auf den städtischen Nahbereich haben. Bei den maßgeblichen Luftschadstoffen wie Stickstoffoxiden (NO2, NOx) und Partikelemissionen (PM10, PM2,5) wurden die Grenzwerte der Bundes-Imissionsschutzverordnung häufig sogar um ein Vielfaches der erlaubten Menge unterschritten. Messungen für den Mittel- und den Oberrhein kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Liegende Binnenschiffe können laut BfG zu höheren Imissionen im Uferbereich führen, diese sind in Stadtlagen jedoch deutlich geringer als die schon vorhandene Hintergrundbelastung oder der angrenzende Straßenverkehr.

Christoph Heidt vom unabhängigen ifeu-Institut aus Heidelberg stellte die Berechnungsgrundlagen für das Emissionsmodell TREMOD (Transport Emission Model) vor, welches von verschiedenen Behörden und Teilen der Wirtschaft genutzt wird. Nach TREMOD sind die PM-Emissionen der Binnenschifffahrt seit 1970 um 80% gesunken, die NOx -Emissionen reduzierten sich um 40%. Dennoch habe die Binnenschifffahrt Verbesserungspotenzial. Die Binnenschifffahrt hat lediglich 1% Anteil am Endenergieverbrauch, ihr Anteil an den gesamten Luftschadstoffemissionen des Verkehrs  liegt mit 5% der NOx -Belastung und 3% der Partikelemissionen aber im Vergleich der Verkehrsträger proportional höher. Dies liegt an der Langlebigkeit der Dieselmotoren in Binnenschiffen. 

Dr. Cornel Thill, TU Delft relativierte diese Zahlen in Teilen und stellte Lösungsansätze zur Diskussion. Im Rahmen des EU-geförderten Projektes MoVeIT! wurde festgestellt, dass bei einer ganzheitlichen Betrachtung, die auch Partikelemissionen aus Abrieb und Aufwirbelungen im Straßenverkehr einbezieht, die Binnenschifffahrt auch gegenüber Euro VI-Lastzügen deutliche Vorteile aufweise. Durch den Einsatz von Abgasnachbehand-lungssystemen und Partikelfiltern konnten die Emissionswerte der Ver-suchsschiffe im Bereich der NOx auf Euro VI Niveau gesenkt werden. Branchenvertreter wiesen aber darauf hin, dass derartige Systeme noch nicht in Serie auf dem Markt erhältlich seien und sich deren Einbau und der Betrieb teilweise technisch anspruchsvoll und sehr kostenintensiv gestalten. Ebenfalls diskutiert wurde über alternative Antriebs- und Energiekonzepte sowie Optionen zur hydrodynamischen Optimierung, welche ebenfalls erhebliches Potenzial zur Einsparung von Treibstoffen und damit auch Emissionen bieten.

„Der heutige Workshop hat die Stärken und Schwächen der Binnenschifffahrt in Bezug auf Luftschadstoffemissionen deutlich gemacht. Die engagierten Diskussionen haben gezeigt, dass der Markt nicht schläft und sich vor den Herausforderungen gestiegener Anforderungen an die Umweltfreundlichkeit der Verkehrsträger nicht wegduckt. Binnenschifffahrt und Hafenwirtschaft arbeiten kontinuierlich an der Verbesserung der Umweltbilanz des Systems Schiff/Wasserstraße/Häfen. Damit sich neue Entwicklungen im Markt niederschlagen, benötigt es aber Zeit und gezielter Förderung“, fasste Marcel Lohbeck, Geschäftsführer des VBW die Ergebnis-se der Veranstaltung zusammen. 

An dem Workshop nahmen über 40 Experten aus Deutschland und den Niederlanden teil. Vertreten waren Hafenbetreiber, Schifffahrt, Schifffahrtsunternehmen, Forschungsinstitute, die Werftindustrie, die GDWS sowie Länderverkehrsministerien und Umweltbehörden.

Die Pressemitteilung können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

VBW blickt zufrieden auf das erste Quartal 2016

Trotz weiterhin angespannter wirtschaftlicher Lage der Branche steigt die Anzahl der Vereinsmitglieder. Das Arbeitsprogramm des Vereins nimmt die Beschleunigung von Infrastrukturprojekten in den Fokus.

„Bereits im vergangenen Jahr zeichnete sich ab, dass wir 2016 mehr Mitglieder als zu Beginn des Vorjahres verzeichnen können. Dieser Trend hat sich erfreulicherweise fortgesetzt und erfüllt. Mit der Scylla AG, Basel und der neska Schifffahrts- und Speditionskontor GmbH, Duisburg konnten wir schon zum Jahresanfang zwei weitere neue Mitglieder begrüßen. Besonders bemerkenswert ist, dass der VBW Mitglieder aus allen relevanten Stakeholdergruppen des Systems Schiff/Wasserstraße/Häfen gewinnen konnte“, erklärt VBW-Präsident Heinz-Josef Joeris.

Wie schon in den Vorjahren hat der VBW ein Arbeitsprogramm erarbeitet und online veröffentlicht, welches von den Fachausschüssen maßgeblich gestaltet worden ist. Schwerpunkt des diesjährigen Arbeitsprogramms ist die Initiative zur Beschleunigung von Infrastrukturvorhaben an den Wasserstraßen.

„Ein Projekt, das normal verläuft, dauert in Deutschland inzwischen 11 Jahre von der Planung bis zur Abwicklung, komplexere Vorhaben dauern Jahrzehnte. Dieser Zustand ist nicht hinnehmbar. Seit Jahren wird über die Notwendigkeit gesprochen, Änderungen an den Planungs- und Vergabeverfahren herbeizuführen. Dies sind jedoch langwierige und schwierige politische Prozesse. Der VBW hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, Handlungsempfehlungen zur schnelleren Realisierung von Infrastrukturvorhaben zu unterbreiten, die unterhalb der gesetzgeberischen Verantwortung liegen und daher kurz- bis mittelfristig umgesetzt werden können“, so Joeris. Die Handlungsempfehlungen des Runden Tisches und die Ergebnisse der Studie werden bis zum Sommer 2016 vorliegen.

Kern der Infrastrukturinitiative des VBW ist der Runde Tisch „Infrastrukturbeschleunigung“ an dem Vertreter aus der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, Länderministerien, der Industrie, der Bauwirtschaft und von Ingenieurbüros über Probleme in der Planungs- und Ausführungsphase von Bauprojekten und Möglichkeiten zum Abbau von Hemmnissen und zur Vereinfachung von Verfahren diskutiert haben.

Ebenfalls in Auftrag gegeben wurde eine vergleichende Studie an der TU Dortmund, welche die Infrastrukturbereitstellung in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz untersucht, mit dem Ziel Best-Practices für die nationalen Verwaltungen aus den Erkenntnissen abzuleiten.

Die Pressemitteilung können Sie hier als PDF-Datei herunterladen

 

 

 

 

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